Kein Glotzenkind

Also wirklich, ich ertappe mich ganz oft dabei, wenn meine Freunde über irgendwelche Serien oder Shows quatschen, die sie in ihrer Kindheit gesehen haben, dass ich mich frage „Worüber zur Hölle reden sie?“ 20 serienbedingte Insiderjokes später, oute ich mich dann meistens und frage nach. „Waaaaaas du hast nicht XY geguckt? Waaaaaaaaaas du kennst YZ nicht?“ Und am besten dann noch der Lieblingssatz: „Was hattest DU denn für ‚ne Kindheit?!“

Zuerst habe ich mich dann wirklich ein wenig dumm gefühlt. Aber spätestens nachdem Google strapaziert wurde, war ich ehrlich gesagt froh den ganzen Quatsch nicht zu kennen. Ein Junge, der zusammen mit seinem Onkel (?) Abenteuer in der Eisenbahn erlebt? Da fahr ich doch lieber mit meiner Oma die Welt entdecken und hab die Abenteuer aus erster Hand. Ohne dummen Geschwafel. Ohne Werbeunterbrechungen. Oder wir waren auf dem Rummel. Ein paar meiner besten Kindheitserinnerungen stammen von diesem quietschbuntem Ort, voller lachender Kinder und Zuckerwatte.

Es ist doch auch viel besser bis zum Abendbrot im Garten rumzubuddeln, als nachmittags um 3 erklärt zu kriegen, wie sich ein Regenwurm anfühlt. Natürlich muss man dafür das Glück haben auf einem kleinen Dorf aufzuwachsen, wo jedes Haus seinen eigenen Garten hat. Aber ich denke auch Stadtkinder können die echte Welt entdecken. Auf’m Spielplatz um die Ecke. Oder im Notfall gibt es ja wieder die lieben Großeltern.
Ich finde, ich hatte eine tolle Kindheit. Bin jeden Tag schmutzig vom Spielen nach Hause gekommen. Mit kaputten Hosen und aufgeschlagenen Knien. Aber mit einem Lachen im Gesicht.

Ich bin froh in einer Zeit geboren worden zu sein, in der Babys noch nicht nach dem Smartphone der Eltern gegrabscht haben oder 1A  „Ipad“ sagen konnten. Das ist doch Spielzeug für Erwachsene. Okay, gut nicht nur für Erwachsene aber eben nicht für kleine Kids. Was haben SIE denn für eine Kindheit? Gesteuert von einem leuchtendem Tablet, dass ihnen Regeln vorgibt und sie davon abhält auf Bäume zu klettern.
Ich hatte nie einen Fernseher in meinem Zimmer. Wollte ich auch nie. Gut, manchmal war es ein bisschen ätzend, wenn man sich mal auf einen Film gefreut hat, aber sie etwas anderes gucken wollten. Aber wie gesagt, ich bin kein Glotzenkind. Fernsehverbot, wenn ich was ausgefressen hatte? Hätte mich nicht interessiert, hab mich davor ja eh nur gelangweilt. Obwohl, EINE Show gab es dann doch in meiner Kindheit und die war Pflichtprogramm für die ganze Familie: Tigerentenclub! :D Aber dann es auch schon wieder aufgehört.

Meine Gasteltern haben es nur gut gemeint und mir einen eigenen Fernseher ins Zimmer gestellt … Ratet mal, was gerade abmontiert wurde und irgendwo anders im Haus seinen neuen Platz finden wird. Irgendwo, wo er mir keinen wertvollen Schreibtischplatz raubt.

Wie ich da jetzt drauf komme? Nun, ich finde es schockierend, was heutzutage als Kinderprogramm im Fernsehen läuft. Und dass anscheinend viele Kids diesen amerikanischen Kram lieben. Irgendwelche Fantasiegebilde, die agieren wie Menschen, aber aussehen, wie … Ja keine Ahnung wie komische Kreaturen, eben. Komische Kreaturen aus dieser öden Röhre, die schon lange keine Röhre mehr ist, sondern flach und riesengroß.


Wer denkt sich denn den ganzen Quatsch aus? Wollen sie den Kindern helfen, oder sie bestrafen? Ich blick da nicht mehr durch. Ich glaub meine Kinder später werden‘s mal schwer haben. Aber bis dahin denken, sich diese schlauen Menschen bestimmt noch ganz viel anderen Kram aus, den jedes Kleinkind unbedingt gesehen haben MUSS. Haha.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen