Fernweh mit Stich

Man könnte es auch "von wegen Heimweh!" nennen. Denn überall, sei es Au Pair Agentur, Gastfamilien, Familie oder Freunde, nahezu alle erwarten dass ich nach fast 9 Monaten reisen, Heimweh habe. 

Zum Beispiel habe ich zu Hause in Deutschland zum Kochen oder Saubermachen oft CDs von Musicals gehört - Der König der Löwen oder Mama Mia. Warum? Gute Frage, war einfach so. Und als ich letztens mein Zimmer hier aufgeräumt habe, hab ich eben auch diese Musik angemacht. Aus Gewohnheit oder weil so ein bisschen Heimatsgefühl (wenn man das so nennen kann) ist auch mal schön. Die Schlussfolgerung meiner Gastfamilie in Brisbane kam prompt: Ohhh, du hast wohl Heimweh?

NEIN! DANKE DER NACHFRAGE ABER NEIN. 

Ich freu mich morgen früh wieder in den Flieger zu steigen und ein neues Land zu erkunden. Ich freu mich drauf alleine zu reisen und nicht zu wissen, was der nächste Tag wirklich bringt. Ich freu mich auf alle Abenteuer und all die neuen Menschen, die ich dort in Neuseeland treffen werde. ich freu mich, wirklich.

Doch manchmal ist so ein bisschen Heimat auch ganz nett. Mal mit Freunden skypen oder schreiben, alte Fotos angucken, daran zurück denken wie es vor einem Jahr war und was sich alles verändert hat - ähm, alles?! Das heißt aber noch lange nicht, dass jemand Heimweh hat. Ehrlich gesagt ist Heimweh ein Gefühl, was ich nicht kenne. Ich reise nun seit über 8 Monaten und habe mich noch nicht (und ich bezweifle dass es noch passieren wird) in den Schlaf geweint, weil ich meine Familie oder sonst  wen vermisse. Natürlich fehlen sie mir. Natürlich fehlt mir das Zusammensein und deren Lachen und natürlich würde ich bestimmte Momente gerne mit ihnen teilen anstatt alleine oder mit neuen Freunden. Aber so ist das eben, das war mir alles klar als ich im August los geflogen  bin. Es ist also nur ein kleiner Stich statt dem prophezeiten Herzschmerz. 

Und ich finde, das ist völlig okay.

Als ich im Februar meine Gastfamilie in Canberra verlassen habe, wollte ich länger reisen, mehr sehen und definitiv nicht schon im Juni nach Hause. Westaustralien, Neuseeland, Fiji, Bali, Asien. So viele Plätze, die ich erkunden wollte und am liebsten alles sofort. Das Fernweh hatte zugeschlagen und erst der Blick auf mein Konto und die Erinnerung, dass ein spannendes Praktikum zu Hause auf mich wartet, ließen mich zur Vernunft kommen. Ließen das Fernweh ein bisschen kontrollieren.
Westaustralien fand ich zu teuer also ging's nach Tasmanien - von Stränden hatte ich eh schon genug. Asien ist billig und nicht sooo weit weg - okay, dann mach ich das in ein paar Jahen.
Neuseeland? Okay, DAS muss sein! Ticket gebucht und morgen geht's endlich los.

So sehr ich es auch mag Au Pair zu sein und den Luxus eines eigenes Zimmers zu schätzen weiß - das Reisen hat mir in der Zeit zu sehr gefehlt und ich kann es kaum abwarten wieder das Zimmer mit Fremden zu teilen oder in der Großraumküche auf das einzige Scharfe Messer zu warten - so lange ich reisen kann. Solange ich die Welt sehe, ist all das nebensächlich.

Ihr seht, von Heimweh keine Spur.

Und doch habe ich einen Countdown auf meinem Smartphone, wann es wieder nach Hause geht. Und ich freue mich trotz der Reisewut in mir, auf meine Schwester, meine Eltern, meine Freunde. Und ja auch irgendwie auf das normale Spießerleben. Also zumindest auf den Part, dass ich all die Lebensmittel, die es in Australien nicht gibt, im Tante Emma Laden um die Ecke kaufen kann. 

Es ist also ein bisschen "Heimweh" mit ganz, ganz viel Fernweh. Gibt es dafür ein Wort? 


A ship in harbor is safe - but that is not what ships are built for.

Aus irgendeinem Grund kam mir jetzt dieses Zitat von John A. Shedd in den Sinn. Ein Schiff liegt dann und wann im Hafen, aber es gehört auf die See. 
Ich gehöre auch mal nach Hause, doch ich will in die Welt.

Das Bild entstand auf meinem Segeltrip um die Whitsundays Anfang März.

PS: Da ich in Neuseeland wahrscheinlich kaum Wlan haben werde und auch nicht wirklich Zeit, um über alles zu berichten, wird es auf meinem Blog wohl erstmal nicht so viele neue Posts geben :( Tut mir leid. Ich versuch aber trotzdem mein Bestes! 
Ich werde aber auf Instagram und Snapchat (sanji.boe) ganz viel posten und ihr seid herzlich eingeladen dort meine Abenteuer (fast) live mitzuerleben :)

Kommentare:

  1. Ein wundervolle Text und eine tolle Einstellung für die ich dich total bewundere. Ich habe gar nicht den Mut so in der Welt herum zu reisen wie du es tust und manchmal wünsche ich es wäre anders. Aber ich hoffe ja dass sich nach meinem Studium die ein oder andere Möglichkeit ergeben wird und hoffe endlich dann den Mut aufbringen zu können die Welt zu bereisen.
    Ich wünsche dir deine ganz tolle Zeit in Neuseeland, das Land ist so wunderschön!
    Liebe Grüße,
    Marina

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  2. So nun bin ich neidisch. Nicht nur, weil du super gut schreiben kannst - dein Text ist wunderbar - sondern auch, weil die in Neuseeland bist....Ich will auch *heul*
    Mittlerweile habe ich es satt nur Deutschland oder Europa zu erkunden. Ich hoffe, dass wir bald mal wieder weiter weg reisen werden. Ich wünsche dir super viel Spaß und tolle Erfahrungen in Neuseeland!

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  3. Ich weiß nicht, ob ich auf einer solchen Reise wirklich Heimweh hätte. Aber vielleicht würden mir manche Umstände auf die Nerven gehen. Die Tochter einer Freundin ist gerade in deiner Gegend und leidet offensichtlich nicht großartig. Muss an der Gegend lieben. Oder am Wasser ;-)
    LG
    Sabienes

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  4. Ich finde es spannend, dass du auch die Lieder vom König der Löwen so sehr liebst. Obwohl, bei manchen Liedern würde ich eher heulen, anstatt irgendwo aufzuräumen. Allerdings sind auch viele Lieder dabei, bei denen man Power hat und mitsingen geht immer.

    lg nancy

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