Dieses verflixte Nach-der-Reise-Loch

Ich bin glücklich. Ja. Das kann ich sagen und meistens fühlt es sich dann sogar ehrlich und wahr an.
Doch dann gibt es sie wieder. Diese Momente voller Zweifel, in denen ich mich einfach nur einkugeln möchte. Oder meistens sind es gar keine richtigen Zweifel – einfach Unmut.

Seit Wochen – nein Monaten, habe ich nun schon nichts mehr gepostet auf meinem Stück Online – da sein. Ich habe Artikel geschrieben, ja. Aber keine veröffentlicht. Manchmal ist es nur an daran gescheitert, dass ich keine passenden Fotos hatte. Oder an Zeitmangel. Faulheit.
Aber nicht selten auch einfach an dem Inhalt. All das, was ich aufgeschrieben habe, war irgendwie traurig. Unglücklich. Aber das stimmt doch nicht. Ich fühle mich nur, wie in ein Loch gefallen. Wie ein Hase hocke ich dann da. Ich weiß, dass ich raus komme. Ich springe, schabe mit meinem Pfoten am Rand – und rutsche dann doch ab. Die Wände sind zu hoch und es gibt nur wenige Steine oder Vorsprünge an denen ich mich stützen kann. Kraft sammeln kann. Noch ein Versuch, diesmal mit mehr Anlauf. Ich springe. Lande. Am Rand des Lochs, obendrauf. Geschafft!
Doch dann kommt ein Windstoß und ich sitze unten – wieder einmal.

Solange ich beschäftigt bin, ist alles gut. Ich brauche Aufgaben, Sinn in dem, was ich tue. Aber wenn ich dann wieder alleine an diesem viel zu großen Schreibtisch sitze, dann überkommt mich wieder dieser Stich im Magen. Sinnlos rumsitzen kann ich nicht. Warum hier sein und nichts tun, wenn ich draußen die Welt bewegen könnte?

Und trotzdem platzt mir der Kopf. Vorbereitungen für's Studium. Freunde. WG suchen. Praktikum. Umzug. Familie. Blog. Erst ist gar nichts und dann kommt alles auf einmal.

Dann vermisse ich das Wegsein. Ich möchte wieder durch Wälder wandern, Wolkenkratzer besteigen, mit Aborigines tanzen, billigen Wein trinken und mich in Hobart, Sydney oder Auckland verlaufen. Alles machen können, nichts müssen. Alleine bestimmen, wann ich aufstehen muss, und es dann doch schon früh um 7 tun. Spannende Leute kennen lernen. Selber ein abenteuerlicher Mensch sein.

In der Ferne habe ich mich auf die Heimat gefreut. Ich wollte meine Freunde und Familie wiedersehen. Zeit mit dem Orchester verbringen. Falsch – oder auch richtig – in die Tasten hauen. Mit den richtigen Freunden feiern – und nicht nur mit Travel – Buddys. Wieder Turnen. Die Muskeln spüren und an die eigenen Grenzen gehen.
Jetzt kann ich all das wieder – und kann es doch nicht. Das Orchester spielt andere Lieder. Sie haben neue Talente, alte sind gegangen. Ich bringe das Wasser, stehe still am Rand. Lache, wenn andere Lachen. Andere lachen über mich. 

Selbst die eigenen Freunde sind mir fremd – nicht alle. Doch manche. Ich verstehe ihre Aussagen nicht mehr. Ihr Verhalten. Einige lästern, ich kenne noch nicht mal die Themen – und will sie auch nicht kennen. Irgendetwas läuft da ganz gefährlich falsch. Und doch liebe ich sie. Oder sind wir nur noch Fremde – Freunde hinter vorgehaltener Hand?

So viele Fragen spuken durch meinen Kopf. Es ist natürlich nicht alles schlecht. Eigentlich ist alles gut, nur eben nicht in solchen Momenten. Oder ist es doch nur der post-travel-blues?

Ich bin ja glücklich.

Es mangelt mal wieder an passenden Fotos, aber ich möchte diesen Post unbedingt senden und deswegen gibt es dieses wunderschöne Foto vom Lake Tekapo, Neuseeland. Vor knapp drei Monaten war ich hier. Drei Monate schon?! Oh Gott, wie die Zeit vergeht.                                                                                   Take me back!

Kommentare:

  1. Hallo! :-)

    Ich weiß gerade gar nicht, was ich dir schreiben soll, nach diesem Blogpost, der mich so berührt hat.
    Vielleicht kann ich dir nur eines sagen: Ich kann dich verstehen.
    Und auch dieser Blues, oder wie auch immer man es nennen mag, wird vergehen. Denn wie du gesagt hast, eigentlich bist du ja glücklich.

    Liebste Grüße,
    Franzi
    himmlischerfedertraum.blogspot.de

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  2. Fremd? Hmm. Vielleicht hat man die Freunde , das Orchester oder die Clique einfach in seinen Gedanken verfälscht. Ich meine du konntest so lange nicht dabei sein. Nicht mit erleben was alles geschehen ist. Man Denkt aber doch an jene die einem im Leben bis zur großen Reise begleitet haben. Dabei ist es egal ob es beste Freunde oder nur der Nachbar der Eltern ist. Man liegt in einer Minute da und denkt an irgendeinen Unsinn den man mit jemanden erlebt hat. Man vergisst aber dabei die große Warze auf dessen Nase, oder das derjenige ziemlich radikale Gedanken gegenüber was auch immer hatte. Nun kommt man nach ewiger Zeit zurück....wer ist das? Wieso ist der mir so fremd geworden? Natürlich bist du auch reifer, klüger und auch erfahrener geworden. Du hast neue Ansichten und eine andere Art und Weise Dinge zu beurteilen. Und deshalb kommt dir auch alles eigendartig Fremd vor. Aber du wirst sehen. Das wird besser. Und den Leuten um dich herum geht es ähnlich. Auch die müssen sich erst einmal neu an dich gewöhnen. Die sind immerhin auch "älter" geworden. ...Ich wünsche dir alles gute.(verzeiht mir meine Grammatik)

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    1. So habe ich da ehrlich gesagt noch nicht darüber nachgedacht! Danke für deine lieben Worte und den neuen Denkansatz :)

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  3. Ich verstehe dich total und befinde mich ehrlich gesagt gerade im genau gleichen "loch", ich war nicht wie du in Australien sondern in Südafrika und das nur 6 Wochen, aber dein Post beschreibt meine Gefühle. Morgen ziehe ich um, dann geht das Studium los, ich verstehe dich total. Es ist einfach alles zu viel.
    Ich wünsche dir viel Glück da wieder rauszukommen, das schaffst du!
    Liebste Grüße, Eva

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    1. Ich wünsche dir auch alles Gute und vielleicht hilft uns beiden ja das Studieren :)

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